Wussten Sie ...

… dass die Soziale Phobie eine sehr häufige Erkrankung ist?

Durchschnittlich 12 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer sozialen Phobie.

… dass die Soziale Phobie eine sehr häufige Erkrankung ist?
Durchschnittlich 12 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer sozialen Phobie?

… dass auch der Dichter Goethe unter heftigen Ängsten litt, beispielsweise vor Lärm und vor Höhen; er hat im Rahmen einer Selbstbehandlung herausgefunden, dass die Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen die erfolgreichste Therapie ist?

… dass die Bekämpfung von Angst mittels Alkohol bei sozialer Phobie zur Sucht führen kann?

…dass die Sängerin Barbra Streisand mehr als 20 Jahre an einer sozialen Phobie litt und öffentliche Auftritte vermied?

… dass es Medikamente gibt, die sowohl bei Depression wie auch bei Angst wirksam sind und nicht abhängig machen?

… dass der britische Schauspieler Sir Laurence Olivier an einer sozialen Phobie lit?

… dass das Aufschreiben von belastenden Gefühlen und Erlebnissen zu einer körperlich messbaren Entlastung führen kann, die sich beispielsweise in einer Verminderung des Herzschlags, Blutdrucks oder der Muskelspannung bemerkbar macht?"

…dass Entspannung und Angst zwei miteinander unvereinbare Gefühle sind?

….dass der Südpolforscher Robert Scott an einer sozialen Phobie litt; er vertraute seinem Tagebuch an, dass er weniger  Angst habe eine Gletscherspalte zu überqueren als vor Menschen zu sprechen?

….dass Tranquilizer (Benzodiazepine) die Angst nehmen, aber nach wenigen Wochen abhängig machen?

Die Soziale Phobie: ein Überblick

Die Soziale Phobie ist eine psychische Erkrankung, die für die Betroffenen häufig mit großer emotionaler Belastung und Verminderung der Lebensfreude einhergeht.

Die nachfolgenden Zeilen informieren Sie über die Symptomatik, die diagnostische Abklärung, die Ursachen, die Häufigkeit und die Behandlung der Sozialen Phobie.

Symptomatik

Die Soziale Phobie gehört zu den Angststörungen. Das zentrale Merkmal der Erkrankung ist die Angst davor, sich in Gesellschaft anderer Menschen peinlich zu verhalten und negativ bewertet zu werden. Die Betroffenen befürchten, dass andere Menschen diese Angst bemerken könnten, was eine zusätzliche Belastung darstellt. Körperliche Begleitsymptome der Angst können Schwitzen, Zittern, Erröten, Atemnot, Herzrasen, Übelkeit, Durchfall und ein Unwirklichkeitsgefühl (Derealisation) sein. Die Angst kann sich verstärken bis hin zu heftigen Panikgefühlen, sodass der Betroffene den Eindruck hat, flüchten zu müssen. Aufgrund dieser extrem unangenehmen Symptome neigen Betroffene dazu, die Gesellschaft anderer Menschen zu vermeiden. Dadurch sind Betroffene häufig im beruflichen und privaten Bereich stark eingeschränkt und fühlen sich isoliert, obwohl der Wunsch nach Kontakt zu anderen Menschen groß ist.

Diagnose

Die Diagnose einer Sozialen Phobie wird anhand diagnostischer Gespräche und mit Hilfe von diagnostischen Fragebögen gestellt. Im Einzelnen ist das Vorhandensein von Angstsymptomen sowie das Ausmaß der Einschränkungen im täglichen Leben ausschlaggebend. Eine Diagnosestellung durch erfahrene Untersucher hat eine hohe Zuverlässigkeit.

Häufigkeit

Die Soziale Phobie zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Wissenschaftlichen Erhebungen zufolge liegt die Soziale Phobie nach Alkoholabhängigkeit und Depression an dritter Stelle. Die Krankheitshäufigkeit im Zeitraum eines Jahres in Deutschland liegt bei etwa 8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Frauen sind etwa 1,5-mal häufiger betroffen als Männer.

Ursachen

Die Ursachen der Sozialen Phobie sind vielfältig. Das Risiko an einer Sozialen Phobie zu erkranken ist für Verwandte von Menschen mit Sozialer Phobie etwa 3-mal so hoch im Vergleich zu einer unbelasteten Familie. Diese Untersuchungen zeigen eindrucksvoll, dass genetische Faktoren von entscheidender Bedeutung für die Entstehung der Erkrankung sind. Es ist jedoch bislang unklar, welche Gene im Einzelnen für die Entstehung der Sozialen Phobie verantwortlich sind. Eine Entschlüsselung dieser Zusammenhänge ist aber von entscheidender Bedeutung, um Fortschritte bei der Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten machen zu können.

Neben einer biologisch begründeten Anfälligkeit für die Entwicklung einer Sozialen Phobie spielen auch Lernprozesse, wie etwa das Vermeidungslernen, eine wichtige Rolle. Die Theorie des Vermeidungslernens besagt, dass zunächst eine Angstreaktion auf bestimmte Reize hin erlernt wird. Beispielsweise stottert ein Schüler bei der Beantwortung einer Frage des Lehrers und die anderen Schüler lachen. Hierdurch können soziale Situationen, in denen der Schüler sich bewertet fühlt, mit Angst und Scham verknüpft werden. Im nächsten Schritt wird der Schüler versuchen, solche Situationen zu vermeiden, indem er beispielsweise die Schule schwänzt und auch sonst den Kontakt zu Mitschülern meidet, weil er dadurch weniger Angst und Scham verspürt. Die Redukation der Angst wirkt innerlich wie eine Belohnung für das Vermeiden von sozialen Situationen, wodurch das Vermeiden von sozialen Situationen an Häufigkeit zunimmt.

Behandlung

Bei der Behandlung der Sozialen Phobie werden Psychotherapie und Medikamente eingesetzt. Die therapeutischen Maßnahmen erfolgen in enger Absprache mit dem Patienten, nicht selten kommt eine Kombinationsbehandlung von Psychotherapie und Medikation zum Einsatz. Die Soziale Phobie kann dabei sowohl im Rahmen einer Einzeltherapie, wie auch im Rahmen einer Gruppentherapie behandelt werden.

Am besten nachgewiesen ist die Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie, bei der der Betroffene über seine Gedanken und Ängste spricht und sich der Irrationalität seiner Gedanken bewusst wird. So befürchten beispielsweise viele Menschen mit Sozialer Phobie, dass eine Katastrophe passiert, wenn andere Menschen erkennen, dass sie ängstlich oder unsicher sind, schwitzen, zittern und rot werden. Mit dem Patienten gemeinsam wird besprochen, dass diese Ängste unbegründet sind. Auf dieser Basis werden Patienten angeleitet, sich selbst zu beruhigen, also den katastrophisierenden Gedanken beruhigende Gedanken entgegen zu setzen. Im weiteren Verlauf der Therapie setzen die Patienten sich dann den angstauslösenden Situationen in der Praxis aus und lernen die vorher geübten Strategien dort einzusetzen. Auf diese Weise kommt es durch Training zu einer Minderung der Sozialen Ängste und einer fortschreitenden Aufhebung des Vermeidungsverhaltens, d. h. die Betroffenen können sich mehr und mehr in vorher angstbesetzte soziale Situationen begeben.


Ebenfalls gute Erfolge zeigen in neueren Studien besondere angstbezogene Formen der tiefenpsychologischen oder psychodynamischen Psychotherapie. Oft liegt der konkreten Angst in sozialen Situationen eine tiefere, unbewusste Angst zugrunde, die die Symptomatik wie eine verborgene Quelle aus der Tiefe immer wieder "speist". Diese kann z.B. in Erfahrungen begründet sein, dass Bezugspersonen in der Kindheit keine ausreichende Sicherheit geboten haben, um ein stabiles Selbstwertgefühl aufzubauen, oder dieses durch Erfahrungen von Demütigung oder Nichtbeachtung nachhaltig erschüttert wurde. Obwohl dem Betroffenen dann bewusst ist, dass er heute in sozialen Situationen nichts zu befürchten hat, springt doch unbewusst immer wieder die "alte Angst" an, nicht wertvoll genug zu sein oder abgelehnt zu werden. In der Therapie wird der Bezug zur "alten Angst" hergestellt und diese in einer haltgebenden Beziehung zum Therapeuten so bearbeitet, dass alte Gefühle in neuen Situationen keine so große "Macht" mehr haben.

Auch andere Interventionen wie Entspannungsverfahren (autogenes Training, progressive Muskelrelaxation), soziales Kompetenztraining und Hypnotherapie können bei Sozialer Phobie hilfreich sein.

Für die Behandlung der Sozialen Phobie empfohlene und wirksame Medikamente stammen aus der Gruppe der Antidepressiva. Dies sind Medikamente, die häufig auch zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, darüber hinaus aber auch einen Effekt auf Ängste haben. Insbesondere die sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, wozu Wirkstoffe wie Citalopram, Sertralin und Paroxetin gehören, haben sich in der Behandlung der Sozialen Phobie bewährt, aber auch andere Antidepressiva sind wirksam (z. B. Venlafaxin). Die Medikamente bewirken eine Veränderung der Konzentration von Überträgerstoffen zwischen Nervenzellen, sog. Neurotransmittern, und haben kein Abhängigkeitspotenzial. Die Medikamente müssen regelmäßig eingenommen werden, weil nur so ein wirksamer Blutspiegel erreicht wird. Bei der Behandlung der Sozialen Phobie ist Vorsicht mit direkt angstlösenden Medikamenten geboten, wie z. B. Benzodiazepinen, geboten. Bei längerer Einnahme besteht die Gefahr einer Suchtentwicklung. Da auch Alkohol eine kurzfristig angstlösende Wirkung hat, wird von Betroffenen nicht selten zur Selbstberuhigung regelmäßig Alkohol getrunken. So besteht auch hier die Gefahr der Entwicklung einer Alkoholabhängigkeit.

Der Besuch von Selbsthilfegruppen und das Engagement in Initiativen von Betroffenen sind eine wichtige Möglichkeit, dem Teufelskreis aus Ängsten und sozialem Rückzug zu entgehen. Bedeutsam ist hierbei nicht nur die gegenseitige Unterstützung, sondern auch der Einsatz für mehr Wissen und Akzeptanz sozialer Ängste in der Gesellschaft und für bessere Behandlungsmöglichkeiten.

Wenn ambulante Behandlungen nicht ausreichen oder aufgrund einer sehr schweren Symptomatik nicht möglich sind, ist eine stationäre Behandlung in einer Fachklinik mit besonderem psychotherapeutischem Behandlungsangebot für Patienten mit Angststörungen angezeigt.

Heilungsaussichten

Die Heilungsaussichten hängen nicht unwesentlich von der Zeitdauer der Erkrankung und den Begleiterkrankungen ab. Bei einer langen Krankheitsgeschichte und einer begleitenden Abhängigkeitserkrankung sind die Heilungsaussichten ungünstiger, als wenn eine Behandlung bereits nach kurzer Erkrankungsdauer eingeleitet wird und keine Begleiterkrankungen bestehen. Untersuchungen zeigen insgesamt eine gute Wirksamkeit von Psychotherapie ebenso wie von Medikation. Es wird davon ausgegangen, dass bis zu zwei Dritteln der behandelten Patienten eine deutliche Symptombesserung erfahren.